Vom Holzweg bis zur Hightech-Autobahn
In Germersheim ist das einzige Straßenmuseum in Deutschland

Eine Straßenwalze von früher.
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Germersheim. Im wahrsten Sinne des Wortes auf den Holzweg begaben sich die Benutzer der Holzbohlenwege, die als Vorläufer befestigter Straßen in Europa gelten. Im Deutschen Straßenmuseum in Germersheim ist ein auf 800 vor Christus datierter Hohlbohlenweg zu sehen, der aus Eichenholz gefertigt war. Das Holz ist gegen Feuchtigkeit resistent, was an seiner Fundstätte bei Osnabrück, einer Moorgegend, sehr wichtig war. Die Römer hingegen verlegten Steinplatten, die durch das Überfahren mit Fuhrwerken eingeebnet wurden.

Von 500 vor bis 500 nach Christus bauten die Römer in ihrem Reich rund 200.000 Kilometer Straßen, davon 80.000 Kilometer Fernstraßen. Zeugnis davon liefert das einzige Deutsche Straßenmuseum. Es wurde 1989 als Straßenmuseum Rheinland-Pfalz gegründet, im Jahr 1995 in Deutsches Straßenmuseum umbenannt. Das Deutsche Straßenmuseum im ehemaligen Zeughaus der Stadt Germersheim am Rhein ist europaweit eines von nur drei Museen und deutschlandweit das einzige, das sich in umfassender Weise mit dem Thema Straße beschäftigt.

Der Museumsbesucher macht eine Reise von frühgeschichtlichen Handelsrouten für Weihrauch, Bernstein und Salz bis hin zur heutigen modernen Straßeninfrastruktur des 21. Jahrhunderts als Lebensader unserer Wirtschaft und Gesellschaft.

Im Straßenbau erfährt der Besucher, was vom ersten Bleistiftstrich bis hin zur Bauausführung passiert. Exponate von Bauwerken wie Brücken und Tunnel, von Straßenausstattung mit Verkehrsschildern, Schutzplanken und Markierung, von Landschaftsbau und Naturschutz liefern einen Überblick über den Alltag des Straßenbauers und seine vielfältigen Aufgaben.
Auf einer Fläche von 5000 Quadratmetern sind rund 1000 Exponate zu sehen. Sie verdeutlichen, wie sich der Straßenbau entwickelt hat – vom Trampelpfad bis zur Autobahn und dem modernen Tunnelbau.

Straßenbau von Asphalt bis Teer

Ein Baukastenmodell zeigt von der Rodung des Waldes bis zur Fertigstellung, wie eine Autobahn gebaut wird und welche Fahrzeuge und Maschinen dafür benötigt werden. Während in den 1930ern mit Asphalt gearbeitet wurde, setzte man ab den 1960ern zunehmend Teer ein. Heute wird nur noch Bitumen verwendet. Dies ist ein durch die Destillation von Erdöl entstehendes Gemisch aus verschiedenen organischen Stoffen. Es gibt auch natürliche Vorkommen von Bitumen, beispielsweise in Sedimentgesteinen und in Naturasphalt. Im Gegensatz zum Beton benötigt Bitumen keine Dehnungsfuge.

Die Straßenunterbauten bestanden lange aus pyramidal geformten Steinen, die man zu einer ebenen Fläche aufschüttete, auf die Sand aufgebracht wurde. Diese im 19. Jahrhundert entwickelte Vorgehensweise wird Makadam genannt und geht auf den Schotten John Loudon McAdam zurück. Über den auf den Straßen des Fürstentums Monaco liegenden Staub soll sich Anfang des 20. Jahrhunderts der Schweizer Arzt Ernest Guglielminetti derart aufgeregt haben, dass er die Straße mit Teer bestreichen ließ, wodurch der Sand gebunden wurde. Im Museum ist eine Teerspritzmaschine von 1925 zu bewundern.

Im Museum lernt der Besucher auch, wie die Planken, die in der Mitte der Autobahn oder auch an Böschungen und auf Brücken die Fahrbahn abgrenzen, richtig heißen. „Das sind keine Leit-, sondern Schutzplanken, weil sie Schutz vor dem Sturz beispielsweise in den Graben bieten sollen,“ erklärt Burger. Ein paar Meter weiter steht die erste Notrufsäule Deutschlands. Sie wurde im Jahr 1938 an der Autobahn zwischen Frankfurt am Main und Mannheim aufgestellt – nicht neben dem Seitenstreifen, wie es heute der Fall ist, sondern auf dem Mittelstreifen. So sollte die Säule von beiden Fahrbahnseiten benutzbar sein. Das erschien damals, als der Verkehr noch dünn floss, als praktisch. An der Notrufsäule war eine Kurbel, an der man drehen musste, bis man eine Verbindung zum Straßenwärter bekam. Die Notrufsäulen werden irgendwann von den Straßen verschwinden, ähnlich wie auch viele alte Straßenschilder, die in dem Museum zu sehen sind, dazu alte Verkehrsampeln, die bis Ende der 1950er auf der Mitte der Straßenkreuzungen hingen. Sie zeigten die Rot- und Grünphasen mit einem Pfeil an, eine Gelbphase fehlte noch. Die kam erst mit der technischen Weiterentwicklung. Diese machte auch sogenannte Plotter überflüssig, große Tische, auf denen mit Kurvenlinealen Entfernungen ermittelt wurden. 

Deutsches Straßenmuseum
Öffnungszeiten:
Dienstag – Freitag 10.00 bis 18.00 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertag 11.00 bis 18 Uhr

Gruppenführungen auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich

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