Geheimnisvolle Heimat
Das verlorene Dorf - die Geschichte von Knaudenheim

die alte Ortsmitte von Knaudenheim - heute am Altrhein "Elisabethenwört" gelegen
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  • die alte Ortsmitte von Knaudenheim - heute am Altrhein "Elisabethenwört" gelegen
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Rhein. Der Rhein ist seit Jahrtausenden im Fokus zahlreicher Sagen, Geschichten und Legenden: Schmuggler, Schätze, Fluten – die Ufer des Flusses sind – im wahrsten Sinne des Wortes – schicksalsgetränkt. Eine wahre, aber nicht weniger dramatische Geschichte ist die des Dorfes „Knaudenheim“. Denn Knaudenheim gibt es nicht mehr, es fiel 1758 den Fluten des Rheins zum Opfer.

Dabei hatte Knaudenheim eine lange Geschichte: Der Ort wurde erstmals 1220 als Cnutenheim erwähnt, Historiker gehen jedoch davon aus, dass er noch wesentlich älter ist. Denn bei dem im Lorscher Codex von 784 erwähntem Ort Hiutenheim könnte es sich durchaus um Knaudenheim handeln. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich der Name des Dorfes und dessen Schreibweise immer wieder geändert: Knutenheim, Knütenheim (1309), Kneutenheim sind nur einige der heute bekannten Schreibweisen. Der Ortsname soll „Heim des Knudo“ bedeuten, ein Begriff, der sich auch im Namen des Karlsruher Stadtteiles Knielingen wiederfindet.

Politischer Spielball und Opfer der Fluten

1464 lebten rund 170 Menschen in Knaudenheim; 1618 schon 700, spätestens da gehörte Knaudenheim zu den größeren Orten entlang des Rheins – man lebte hier von der Landwirtschaft, die auf den fruchtbaren Äckern und Wiesen am Rheinufer durchaus ertragreich war. Auch Fischer gab es in Knaudenheim. Außerdem war Knaudenheim Zielort der Rheinfähre aus Germersheim, aber Sandbänke und Untiefen machten die Schifffahrt schwer. Überhaupt muss der Fluss für die Menschen in der Vergangenheit schier unberechenbar gewesen sein: Ende des 14. Jahrhunderts war der Flusslauf noch über einen Kilometer von Knaudenheim entfernt. Durch Erosion am Prallhang der Rheinschlinge um die Germersheimer Au (das heutige Elisabethenwört) näherte sich der Fluß spätestens im 18. Jahrhundert dem Dorf bedrohlich nahe. Der Bedrohung durch den Fluss versuchte man durch ständige Rückverlegung und Erneuerung der Dämme zu begegnen. 1740 ertranken bei einem Hochwasser zwei Einwohner. Aber immer wieder scheiterte die Ufersicherung an Kosten und politischen Konflikten zwischen dem Bistum Speyer und der Kurpfalz. 1750 entfernte das Oberamt Germersheim sogar wichtige Ufersicherungen, 1758 kam dann die unabwendbare, große Katastrophe.
Am 24. Juli 1758 führte ein schweres Hochwasser zu einem Dammbruch, in dessen Folge Knaudenheim wochenlang über zwei Meter hoch überflutet wurde. Die Bewohner retteten sich auf die Dächer ihrer Häuser.
Hätte man einen neuen Damm zum Schutz des Dorfes gebaut, hätte dieser so geführt werden müssen, dass er nicht mehr dem ganzen Dorf Schutz geboten hätte. So stimmte der damalige Speyerer Bischof Franz Christoph von Hutten dem Wunsch der Bewohner nach einer Verlegung Knaudenheims an einen hochwassersicheren Ort zu. Neu-Knaudenheim entstand auf dem Hochufer gut drei Kilometer südöstlich der alten Ortslage und wurde 1760 zu Ehren des Bischofs in Huttenheim umbenannt.

Der Schein trügt - so ruhig und friedlich ist es am Rhein nicht immer
  • Der Schein trügt - so ruhig und friedlich ist es am Rhein nicht immer
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Doch die Gefahren des Hochwassers sind bis heute geblieben: Durch Erosionen und Veränderungen im Flusslauf lag es mal rechtsrheinisch, mal linksrheinisch, erst mit dem Bau des Germersheimer Durchstichs im Zuge der Rheinbegradigung Tullas, befindet sich das ehemalige Knaudenheim wieder rechts des Rheins.

Das alte Knaudenheim blieb dabei stets in den Gedanken der Menschen: 1858 entstand am Rußheimer Altrhein ein Gedenkstein. Die Inschrift darauf lautet: Hier ist die Mitte unseres alten Ortes Knaudenheim. Wegen fortwährender Wassergefahr verlegte denselben heute vor hundert Jahren unser hochherziger Landesherr der Cardinal=Fürstbischof  Fr: Chr: von Hutten, an die jezige Stelle dem Andenken des edlen Fürsten u: ihrer Vorfahren sezte heute diesen Stein die dankbare Gemeinde Huttenheim am 17 August 1858.

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Autor:

Heike Schwitalla aus Germersheim

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