Stadtmarketing-Fachfrau Margrit Csiky geht Ende des Monats in Ruhestand
„Das Geheimnis liegt im Konzept“

Unvergessen: die brennenden Giraffen vorm Schloss
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Bruchsal. Margrit Csiky ist das Gesicht des Bruchsaler Stadtmarketings. Die Frau, die zahlreichen beliebten Veranstaltungen ihren Stempel aufgedrückt hat, geht Ende des Monats in Ruhestand.Eigentlich Gymnasiallehrerin für Deutsch und Englisch war Csiky 1983 mit ihrem Mann, dem bereits verstorbenen Dramaturgen Franz Csiky, von Rumänien nach Deutschland geflohen. Die ersten Monate in Deutschland verbrachte das Paar in Regensburg, wo Margrit Csiky daran arbeitete, fürs Lehramt zugelassen zu werden. Doch als ihr Mann 1984 eine Stelle an der Badischen Landesbühne in Bruchsal antrat, musste sie erkennen, dass die Qualifikation fürs bayrische Lehramt in Baden-Württemberg nicht anerkannt wurde. Sie fand einen Job als Übersetzerin in der Medizintechnik.

???: Bedienungsanleitungen für Kernspintomographen zu übersetzen - war Ihnen das irgendwann zu langweilig?
Magrit Csiky: Die Funktionsweise von Kernspintomographen ist hochinteressant. Aber ich wünschte mir mehr Kontakt zu Menschen. Ich las einen Artikel über die Organisation der Barocktage - und bewarb mich blind um Mitarbeit. Und das hat geklappt: Mit einer halben Stelle habe ich geholfen, die Barocktage zu organisieren, und die andere Hälfte meiner Zeit verbrachte ich mit Kunsterziehung von Kindern im Vorschulalter. Das war das Leben, so wie ich es mir vorgestellt hatte! Gemeinsam mit Professor Beichel habe ich in der Zeit tolle Ideen umsetzen können. Ich denke an Dancing Waters, eine Tournee nach Rumänien, die wir 1990 organisiert haben, an Rock & Barock und an Wandelkonzerte im Schloss.

???: Warum haben Sie damit aufgehört?
Csiky: Zum Job gehörten viele Abendveranstaltungen; vor allem in der Festspielsaison war ich selten vor Mitternacht daheim. Nach der Geburt unseres zweiten Kindes ging das dann nicht mehr. Ich hatte rund um die Barocktage schon viele Zeitungsartikel veröffentlicht. Dadurch ist Ulli Hockenberger, damals noch persönlicher Referent des früheren OB Bernd Doll, auf mich aufmerksam geworden; er hat mich für die Öffentlichkeitsarbeit ins Rathaus geholt. Das hat mir vor allem auch wegen der im Vergleich geregelteren Arbeitszeiten sehr zugesagt.

???: Die Pressestelle war damals ebenso Neuland wie später das Büro für Stadtmarketing?
Csiky: Ja, bei allen Stellen habe ich Neuland betreten. Auch die Geschäftsführung Barocktage gab es vorher in der Art noch nicht. Ich habe viele Schulungen besucht und außerdem ein Zusatzstudium im Bereich Kulturmanagement absolviert. Bis 2007 habe ich ausschließlich die Pressestelle geleitet, und dann mit dem Stadtmarketing begonnen. Das Amtsblatt habe ich lange noch parallel mitgemacht, aber mit Blick auf die Heimattage ist dann das Stadtmarketing immer stärker in den Mittelpunkt gerückt.

???: Zwölf Jahre Stadtmarketing - provokant gefragt: Hat’s was gebracht?
Csiky: 1.200 Jahre lang hat die Stadt sich ohne Stadtmarketing gut entwickelt, so dass man das auch nicht überbewerten darf. Ich glaube aber trotzdem, dass ich einen kleinen Beitrag dazu geleistet habe, Bruchsal hübsch und gemütlich zu machen. Natürlich hat das nur funktioniert, weil der Gemeinderat viele richtige Entscheidungen getroffen hat: für die Rathaus-Galerie zum Beispiel oder die Fußgängerzone.
Strategisches Denken habe ich mitgebracht, Erfahrung mit der Veranstaltungsorganisation ebenfalls. Und ich habe die Arbeit mit den Medien gekannt. Niemand macht alles richtig, aber ich habe sehr viel Glück gehabt, dass ich mit Sven Wipper auf der Seite des Branchenbundes zusammenarbeiten durfte. Und auch mit Andrea Ihle hier im Büro war es eine wunderbare Zusammenarbeit. Es ist wichtig, mit den Partnern auf Augenhöhe zu verhandeln. Ich glaube fest daran, dass das Geheimnis immer im Konzept liegt. Wenn man ein gutes Konzept hat, dann findet sich auch Geld dafür. Natürlich ist der Job nicht immer ein Honigschlecken. Man muss es wollen, dann ist es schön.

???: Gibt es ein Herzensanliegen, das sie nicht mehr realisieren konnten?
Csiky: Am Liebsten wäre ich noch mal 30 und würde mit der Erfahrung von heute anfangen Stadtmarketing zu machen! Dann würde ich zum Beispiel die Badische Spargelstraße pushen. Den Aufschwung, den die Weinstraße erfahren hat, bräuchte auch die Spargelstraße. Das ist ein Thema, das die betroffenen Städte und Gemeinden nur gemeinsam in Angriff nehmen können. Aber da sehe ich großes Potenzial. Dann würde ich das Thema Velocopter aufgreifen. Damit haben wir in Bruchsal ein Alleinstellungsmerkmal. Da könnte sich mit Blick auf die Zukunft etwas Wunderbares für die Stadt daraus entwickeln.

???: Gab’s in all der Zeit auch Flops?
Csiky: Dass es die Schlossweihnacht nicht mehr gibt, finde ich schade. Da ist es uns nicht gelungen, zu vermitteln, dass das ein Event sein soll - und nicht nur einfach ein weiterer Weihnachtsmarkt. Ich hatte auch mal sehr intensiv zum Thema Treppen recherchiert, weil ich die Bruchsaler Treppen stärker in den Mittelpunkt stellen wollte - vor dem Hintergrund, dass das Treppenhaus im Schloss das architektonisch Wertvollste ist, was Bruchsal zu bieten hat. Und es hätte auch noch weitere Anknüpfungspunkte gegeben; sogar ein Treppenmuseum war im Gespräch. Daraus ist leider nie etwas geworden.

???: Und wie sehen Ihre Pläne für den Ruhestand aus?
Csiky: Die Siebenbürger Sachsen wollen auf Schloss Horneck die größte Sammlung über die siebenbürgische Geschichte außerhalb Rumäniens präsentieren. Das Schloss wird gerade zu einer Museums- und Begegnungsstätte umgebaut. Ab 1. November werde ich hier eine Aufgabe übernehmen. Das soll aber nicht in Arbeit ausarten - damit noch Zeit für die Enkelkinder bleibt.

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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