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Zum Seniorenfrühstück mit Thema „Rollatoren“

Katharina Hofsäß probiert den Rollator aus
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  • Katharina Hofsäß probiert den Rollator aus
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Böhl-Iggelheim, OT Iggelheim. Der Seniorenbeirat Böhl-Iggelheim hatte am 18. Juni zum Seniorenfrühstück in die Liederkranzhalle eingeladen, und dieser Einladung folgten recht viele. Herr Beiersdörfer (ehrenamtlicher Allrounder) nutzte die Veranstaltung zu einem Spaziergang mit zehn Seniorinnen und Senioren mit ihren Rollatoren aus dem nahe gelegenen Seniorenzentrum. Wieso ich die Rollatoren so speziell erwähne? Es sollte Herr Hugo Ritter von der Verkehrswacht Bad Dürkheim über die „Handhabung von Rollatoren im Straßenverkehr“ referieren. Wie er später erzählte, war er früher Polizist im benachbarten Haßloch und kennt Gefahrenquellen aus dem Effeff.

Die Tische in der Halle waren wie immer mit viel Liebe gedeckt worden und wenn man die Serviette entfaltete, flatterte ein Pappbutton auf den Tisch mit jeweils unterschiedlichen Sprüchen. Mein Spruch lautete „Es gibt immer einen Grund dankbar zu sein“, ja, man kann tatsächlich dankbar für jeden Tag sein. Bevor die Veranstaltung begann, spielte Hans Koob alt bekannte Weisen auf dem Klavier und wurde mit kräftigem Applaus belohnt. Die guten Geister, alle ehrenamtlich für das leibliche Wohl engagiert, versorgten die Gäste mit diversen belegten Brötchen und Getränken. Organisator Herbert Hengler schaute, dass alles klappte.

Der Vorsitzende Heinz Staffen verschaffte sich Gehör am Mikrofon und begrüßte die Gäste und Ehrengäste, die da waren der Landtagsabgeordnete Johannes Zehfuß, Gemeinderatsmitglied Christa Bug und Margret Worbs. Als Vertreter von Bürgermeister Christ war der 1. Beigeordnete Karl-Heinz Hasenstab erschienen, der auch herzlich begrüßt wurde. Erfreut zeigte sich Staffen darüber, dass die Ehrengäste es vorzogen, nicht an dem extra für sie reservierten Tisch zu sitzen, sondern sich „unter das Volk mischten“. Er dankte Herrn Koob für die musikalische Begleitung, bat alle ehrenamtlichen Helfer nach vorne, wo sie mit Applaus bedacht wurden, und übergab das Mikrofon dem Referenten Hugo Ritter.

Ritter spulte sein Referat nicht einfach herunter, sondern erzählte lebhaft aus seinem Erfahrungsschatzkästchen. Er zeigte sich überrascht, dass so viele Leute erschienen seien. Heutzutage sei es nicht so einfach im Verkehr mit den vielen unterschiedlich großen und schnellen Fahrzeugtypen und nicht jeder verhalte sich korrekt. Es gebe unterschiedliche Rollatoren, wie das etwas preiswertere Krankenkassenmodell und das höherwertige, das mit ins Zimmer darf. Ganz wichtig für Rollatorfahrer sei, dass die Bürgersteige zum Überqueren der Straßen abgeflacht seien. Das sei in Böhl-Iggelheim leider nicht überall der Fall und er bat darum, dass sich die Gemeinderatsmitglieder bitte darum kümmern sollten. Wenn man am Straßenverkehr teilnehmen wolle, sollte man sich überlegen, ob man das überhaupt könne, wie man sich fühle und wie die eingenommenen Tabletten wirken würden, ob vielleicht die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt sei. Mit den vielen Baustellen und dem Berufsverkehr nach Feierabend, Schulschluss und der einhergehenden Abholung durch Elternteile gebe es ein zusätzliches Problem. Vergessen darf man nicht die Witterungsverhältnisse wie Dunkelheit, Regen und Glatteis. So sollte sich der Rollatorfahrer überlegen, ob er unter diesen Aspekten vielleicht lieber ein anderes Mal ins Dorf fährt, wo es ungefährlicher sei. Wichtig sei auch der regelmäßig Besuch des Augenarztes oder Optikers, um die Sehfähigkeit zu kontrollieren.

Im letzten Jahr feierte der Rollator seinen 40. Geburtstag und erleichtert seitdem vielen Menschen das tägliche Leben. Falls man sich einen zulegen wolle, solle man sich in einem Fachgeschäft beraten lassen. Er müsse in der Höhe richtig eingestellt sein, so dass man sich aufrecht abstützen kann, also Handgelenke am Griff im Stehen. Der Blick geht geradeaus mit kleinem Blickkontakt zum Boden und bitte nicht mit geneigtem Kopf durch die Gegend laufen. Die Bremsen sollten funktionstüchtig sein. Auch das Hinsetzen auf den Rollator sollte geübt werden, dass man sich richtig drauf setzt, Bremse angezogen und immer eine Hand am Rollator hat. Besonders auf glattem Untergrund müsse man aufpassen. Keine Einkaufs- oder Handtaschen an den Griff hängen, das könnte zum Kippen führen, sondern lieber in den dafür vorgesehenen Korb legen und als Sichtschutz etwas obendrauf. Nur so viel Geld mitnehmen, dass es für den Einkauf reicht und keine Original-Ausweispapiere, sondern eine Kopie. Auf dem Bürgersteig mit dem Rollator spazieren zu gehen heißt „Aufpassen“, denn den Weg teilen sich auch Fußgänger und Kinder mit Fahrrad und seit wenigen Tagen auch E-Roller, die 20 km/h schnell seien. Dazu käme, dass man sie nicht hören würde. An Ampeln und Zebrastreifen solle man immer auf die Reaktion der Autofahrer achten, nicht immer würde angehalten. Auch im toten Winkel hinter LKW und zwischen parkenden Autos durch zu laufen sei nicht ratsam. Im Ort gelte meistens die Rechts- vor Linksregel. Vorsicht sei auch bei den mit 20 km/h durch die Straßen fahrenden E-Mobilen und die noch schnelleren E-Bikes geboten. Die langsamen Gefährten sollten aus Sicherheitsgründen mit Reflektoren und Reflektorbändern, Klingel, Warndreieck und genügend Lichtquellen ausgestattet werden. Ein Vorschlag kam aus dem Publikum, dass die Hersteller bereits auf signalfarbene Rollatoren umschwenken sollten anstatt auf dunkelfarbige, was von Ritter bestätigt wurde.
 
Herr Ritter hatte einen Parcours aufgebaut und fragte nun ins Publikum, wer denn einen Probelauf machen wolle, am besten jemand, der noch keine Erfahrungen mit diesem Gefährt habe. Es meldete sich die 66-jährige Katharina Hofsäß, die nach ihren eigenen Worten noch zu jung für einen Rollator sei. Ritter fiel noch eine wichtige Anmerkung ein, nämlich sich im Linienbus NICHT auf den Rollator zu setzen, sondern auf einen Busplatz. Nochmals kam eine Anmerkung aus dem Publikum, dass auf dem Friedhof mit seinem Kies und den Steinen schlecht zu fahren sei. Hasenstab wolle sich darum kümmern.

Zu guter Letzt überreichte Staffen dann noch leckere Weinpräsente als kleines Dankeschön. Und die Seniorenheimbewohner machten sich langsam auf den Weg zum Mittagessen.(mel)

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