Auch die Annweiler Kitas vor Herausforderungen
Umstrittenes Kita-Zukunftsgesetz

„Wir werden Euch im Stadtrat unterstützen, soweit das möglich ist“. v.l. Christine Reinhardt, Carmen Winter, Romy Schwarz.
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  • „Wir werden Euch im Stadtrat unterstützen, soweit das möglich ist“. v.l. Christine Reinhardt, Carmen Winter, Romy Schwarz.
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  • hochgeladen von Günter Hirschmann

Annweiler. Noch in diesem Jahr will der Landtag RLP das „Kita-Zukunftsgesetz“ verabschieden. Damit sollen zusätzliche finanzielle Mittel in die frühkindliche Bildung fließen, wie es heißt. Für eine Sieben-Stunden-Betreuung am Stück, auf die alle Eltern künftig einen Rechtsanspruch haben werden. Alle Kinder ab zwei Jahren sollen einen Platz in der Kita haben. Und zwar gebührenfrei.

Eine gute Sache, sollte man meinen. Vor allem für Frauen, die ganztags arbeiten gehen.
Warum aber dann die Aufregung und Unruhe bei denjenigen, die das alles umsetzen müssen – die Erzieherinnen und Erzieher. Das haben wir uns gefragt.

Annweiler hat zur Zeit keine städtischen Kitas, aber die privaten und kirchlichen Träger stehen vor den gleichen Herausforderungen. Und daher sei es auch eine Aufgabe des Stadtrats, schreibt Benjamin Burckschat, Fraktionssprecher der CDU, zu überlegen, in welcher Weise man die Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas unterstützen könne.

Stadtratskandidatin Carmen Winter findet die Absichten und Ziele, die mit dem Landes-Kitagesetz verbunden sind, gut und richtig, „zumal sie im Einklang mit unserer familienfreundlichen Politik stehen. Die geplante Siebenstunden-Betreuung am Stück kommt den Müttern und Vätern entgegen, die berufstätig sind“.

Aber, so Winter weiter, „wir verstehen die Besorgnisse und Unsicherheiten der betroffenen Erzieherinnen, die erhebliche Mehranforderungen hinsichtlich der zusätzlich benötigten Räumlichkeiten und Personal bewältigen müssen und befürchten, dass bildungspolitische Entscheidungen auf ihrem Rücken ausgetragen werden. Daher werden wir, wenn wir gewählt werden, im Stadtrat darauf hinwirken, dass nach Wegen gesucht wird, wie die Stadt die Arbeit der Kitas unterstützen kann“.

Der Trifels Kurier hat sich bei den Annweiler Kitas vor Ort kundig gemacht.

Die Sicht der Eltern sei positiv, berichtet Monika Engel, Leiterin der Kita Unterm Regenbogen. „Was die Eltern aber nicht sehen, ist, dass wir die mit dem geplanten Gesetz einhergehenden Anforderungen an die Räumlichkeiten überhaupt nicht umsetzen können“.

„Wir betreuen derzeit 48 Ganztagskinder und 42 Kinder, die über Mittag abgeholt werden, so Engel weiter, „mit unserer Küchenkapazität (siehe Foto) sind wir jetzt schon an der Kapazitätsgrenze.

Wie soll das gehen, wenn dann die doppelte Anzahl an Küchenbesteck und Geschirr bereitgestellt, in der vorhandenen Standard-Spülmaschine gereinigt und in die kleinen Schränke eingeräumt werden muss. Unsere Wirtschaftskraft kann das bei weitem nicht alleine leisten“.

Und die vorgeschriebene mittägliche Ruhezeit sei auch nicht zu gewährleisten. Der vorhandene Ruheraum sei jetzt schon zu klein (siehe Foto). Der Kita-Träger sehe keine Möglichkeit, wie durch bauliche Erweiterungsmassnahmen Abhilfe geschaffen werden könne.
„Die uns in Aussicht gestellten zusätzlichen Personalstellen bedeuten, dass wir pro Kind in der ganzen Woche gerade einmal zwei Minuten mehr Betreuungs-Zeit haben“, hat Kita-Leiterin Engel statistisch ausgerechnet.

Es werde gar nichts anderes übrig bleiben, befürchte sie, als die Kita-Öffnungszeiten zu verkürzen. Die Betreuung der Kinder werde damit dann aber zeitlich unflexibler: „Aus Betreuung wird Beaufsichtigung. Und damit bleibt die Qualität der Erziehung auf der Strecke. Wir alle können doch nicht wollen, dass schon Ein- und Zweijährige ihren Lebensalltag unter Zeitdruck verbringen“.

Anne Wieser, die Leiterin der Kita Kunterbunt, sieht einen breiten Konsens darüber, dass das geplante Gesetz in seiner bisherigen Form sehr grosse Lücken aufweist: „Das, was wir uns davon versprochen haben, ist nicht eingetreten. Wir haben derzeit 54 Kinder, die bei uns über Mittag essen, betreut werden und ihre Ruhezeit brauchen. Bei einer durchgängigen Sieben-Stunden Betreuung erwarten wir, dass es dann mindestens 80 Kinder sein werden“.

Bei ihren Erzieherinnen habe sich Unsicherheit und Frust breit gemacht. Ohne dass die nötigen zusätzlichen Räume vom Träger verfügbar gemacht würden, und ohne entsprechend mehr Personal sei das alles nicht zu schaffen, beklagt auch Anne Wieser.

Bürgermeisterkandidat Benjamin Seyfried, Schatzmeister im Förderverein der Kita Kunterbunt, kennt die Situation: „...tja, die Kitas haben schon zu kämpfen mit dem durch den Gesetzgeber geschaffenen Rechtsanspruch. Die kirchlichen Träger, und letztendlich auch die Stadt, werden mit diesen Problemen konfrontiert werden. Und hier müssen auch die geforderten Umsetzungen mit einer realitätsnahen Unterstützung, personell wie finanziell, einhergehen. Natürlich kann die Stadt nur im kleinen Rahmen unterstützend tätig werden“.

Nicht anders sieht es bei der Kita Arche Noah aus, in der derzeit 78 Kinder betreut werden. Deren Leiterin, Christine Reinhardt, berichtet, dass "die Kolleginnen verärgert sind ob der Ignoranz der Politiker". Mit den 50 Ganztags-Plätzen sei die Kapaziätsgrenze längst erreicht. „Das wird beim Essen eine Massenabfertigung geben, mit noch weiteren 20 Kindern. Ich sehe ein Fiasko auf uns zukommen“.

„Die Banken werden gerettet. Die Kinder haben keine Lobby“, macht Christine Reinhardt ihrem Unmut Luft. |hi

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