Wissenschaftshistorisches Symposium zur 800-Jahrfeier
Ist Rheinland-Pfalz ein Stauferland?

Podiumsdiskussion zum Umgang mit dem staufischen Erbe. V.l.n.r.: Hans Reither (Verein der Trifelsfreunde), Kai-Michael Sprenger (Ministerium für Wissenschaft u. Bildung), Jan Keupp (Uni Münster, Lehrstuhl für Geschichte des Hoch- und Mittelalters), Moderator Jörg Peltzer (Uni Heidelberg, Professur für vergleichende Landesgeschichte in europäischer Perspektive), Angela Kaiser-Lahme (Direktorin GdkE), Markus Ehrgott (Vorsitzender Trifelsverein e.V.), Sabine Klapp (Direktorin Forschungsinstitut Pfälzische Geschichte).
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  • Podiumsdiskussion zum Umgang mit dem staufischen Erbe. V.l.n.r.: Hans Reither (Verein der Trifelsfreunde), Kai-Michael Sprenger (Ministerium für Wissenschaft u. Bildung), Jan Keupp (Uni Münster, Lehrstuhl für Geschichte des Hoch- und Mittelalters), Moderator Jörg Peltzer (Uni Heidelberg, Professur für vergleichende Landesgeschichte in europäischer Perspektive), Angela Kaiser-Lahme (Direktorin GdkE), Markus Ehrgott (Vorsitzender Trifelsverein e.V.), Sabine Klapp (Direktorin Forschungsinstitut Pfälzische Geschichte).
  • Foto: hi
  • hochgeladen von Günter Hirschmann

Annweiler. „Hochkarätiger geht’s kaum“, meinte Helmut Schlieger, Vorstand im Verein der Trifelsfreunde, zu der Riege der Vortragenden bei dem zweitägigen Symposium „800 Jahre Annweiler“ am 17./18. September 2019. Es war in der Tat eine herausragende wissenschaftshistorische Veranstaltung, die die Trifelsfreunde in Annweiler initiiert und vor Ort organisiert hatten.

Stadtbürgermeister Benjamin Seyfried konnte zur Eröffnung führende Historiker begrüssen von den Universitäten Münster, Heidelberg, Frankfurt und Kaiserslautern ebenso wie die Direktorin der Generaldirektion kulturelles Erbe RLP (GdkE). Die Tagungsleitung hatten Jörg Peltzer (Uni Heidelberg, Professur für vergleichende Landesgeschichte in europäischer Perspektive) und Jan Keupp (Uni Münster, Lehrstuhl für Geschichte des Hoch- und Mittelalters).

Dass in Annweiler mit seinen zwei historischen Vereinen, dem hundertfünfzigjährigen Trifels Verein und dem Verein der Trifelsfreunde, ein ungewöhnlich großes Interesse der örtlichen Bevölkerung an der Stadtgeschichte vorhanden ist, das wurde in den Beiträgen und Diskussionen immer wieder würdigend hervorgehoben. Ein erstaunlich fachkundiges Publikum trug mit seinen Anmerkungen und Fragen zu einer lebendigen und in Teilen auch durchaus kontroversen Diskussion bei.

Die traditionelle Löwenherzfest-Folklore und die touristischen Burgbelebungs-Aktivitäten sind die eine Seite. Das andere ist die ernsthafte wissenschaftliche Auseinandersetzung wie sie die Mediävisten (Mittelalterforscher) in der Tagung dargestellt haben.

In einem Impulsvortrag von Kai-Michael Sprenger (Ministerium für Wissenschaft u. Bildung, Mainz) ging es um die Frage, ob Rheinland-Pfalz Stauferland ist, oder ob dies vielmehr dem Land Baden-Württemberg gebührt.

Kollektive Erinnerungskultur wirke identitätsstiftend, führte Sprenger aus: „Der Trifels ist ein stauferscher Erinnerungsort auf historischer Quellenbasis und somit tatsächlich von identitätsstiftender Qualität“. Außerdem liegen mit Worms und Speyer zwei von fünf Stauferstädten in RLP. Für die hochmittelalterliche Dynastie der Staufer sei das Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz eine unverzichtbare Region im Kaiserreich gewesen. Jedenfalls sei RLP ein Land der Kaiser mit den drei Kaiserdomen als die Säulen ihrer Macht. Insoweit also sei Rheinland-Pfalz als ein Land der Kaiser eben auch ein Stauferland. Die Mittelalterrezeption finde sich in vielen unterschiedlichen landespolitischen und lokalpolitischen Aktivitäten wieder.

In der sich anschließenden Podiumsdiskussion ging es insbesondere auch um die Frage, mit welcher Symbolsprache Kaiser Barbarossa historisch-angemessen vermittelt werden solle: Ein lebensnaher Barbarossa in seiner mittelalterlich-alltäglichen Welt, oder ein erhabener Kaiser mit Reichsinsignien, Schwert und Krone. Immerhin lassen sich daraus Folgerungen ableiten, wie beispielsweise die Gästeführer im Trifelsland den interessierten Touristen das Mittelalter im Stauferland nahe bringen sollten.

Die „diachronen Erkundungen“ in den Vortrags-Themen spannten den Bogen von „Annweiler als Reichsstadt“, über „Annweiler als Stadt der Pfalzgrafen“ bis hin zu „Der Trifels und Annweiler im Kontext nationalsozialistischer Kulturpolitik“.

„Die Beiträge und Diskussionen haben Anstösse gegeben zum Umgang mit der Geschichte. Dem Ganzen einen neuen Dreh gegeben, um Stadtgeschichte neu zu denken. Stadtgeschichte ist heute nicht zu Ende“, so Tagungsleiter Jörg Peltzer in seinem Fazit zu diesem bedeutenden Symposium „800 Jahre Annweiler“.

Die Tagungs-Ergebnisse werden in einem Sammelband, voraussichtlich Mitte 2020, veröffentlicht. |hi

Autor:

Günter Hirschmann aus Annweiler

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