Achtung Tretmine!
Hundehaufen auch in Annweiler ein Ärgernis

Tierärztin Eva Callesen: „Giardien-Infektionen stellen in der Hundepopulation unserer Region ein ernstes Problem dar“.
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  • Tierärztin Eva Callesen: „Giardien-Infektionen stellen in der Hundepopulation unserer Region ein ernstes Problem dar“.
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  • hochgeladen von Günter Hirschmann

Annweiler. Es ist ein Dauerbrenner. Seit Jahr und Tag beschweren sich Bürgerinnen und Bürger über Hundehaufen in der Stadt, die nicht ordnungsgemäß vom Herrchen oder Frauchen beseitigt werden.
Zitat aus einer Zuschrift an den Trifels Kurier: „Überall liegen Häufchen. Große und kleine. Trotz Tütenautomaten, überall. Auch gefüllte Tüten landen in Vorgärten und auf der Wiese statt in der Mülltonne...“.

Viel Hundekot muss jährlich von Annweilers Gehwegen, aus der Markward-Anlage, dem Ambert Park und von öffentlichen Grünflächen geputzt werden. Von den fleißigen Mitarbeitern des Bauhofs.

Dazu Bauhofleiter Timmo Eckerle im Gespräch mit dem Trifels Kurier: „Hinterlassenschaften der Hunde auf öffentlichen Straßen und Plätzen ebenso wie auf den Grünflächen ist ein großes Problem. Dieser negative Zustand hat sich in den letzten Zwei Jahren leider wieder verschlimmert. Wir beseitigen tagtäglich zwischen 20 und 100 Hundehaufen. Unsere Mitarbeiter mähen nur noch mit Mundschutz und Einweg-Vollschutzanzug. Das gleiche gilt für unsere Pflanzbeete. Die Pflege der Grünflächen ist nur mit persönlicher Schutzbekleidung ausführbar“.

Scheiß-Schwerpunkte

Besonders beliebte Flächen für unbelehrbare Hundeführer sind Parkplatz Villa Gotthold, die Grünstreifen an der Industriestraße, die Quodgasse auf dem Weg zum Platz zwischen VR-Bank und Sparkasse, Rasen und Pflanzbeete in der Markwardanlage und – man glaubt es kaum – auf dem Rathausplatz die Pflanzbeete hinter den Bänken unterhalb der Kirchenmauer, weiß Eckerle.

Hundekot als Infektionsrisiko
Die Hinterlassenschaften der Hunde sind nicht nur eklig, sondern auch ein Risiko für andere Tiere und auch für uns Menschen.

Wie gefährlich Hundehaufen tatsächlich sind, davon kann Bauhof-Mitarbeiter Michael Stadel aus eigener Erfahrung ein Lied singen: „Im Frühjahr vor zwei Jahren hatte ich mir bei der Laubbeseitigung im Park eine Krankheit zugezogen mit grippeähnlichen Symptomen. Der laborärztliche Befund wies eine Infektion durch Hundekeime nach. Ich war 14 Tage außer Gefecht“.

Wir haben in einer Tierärztlichen Praxis in Annweiler nachgefragt. „Mit dem Kot können humanpathogene und parasitologische Erreger ausgeschieden werden (Anm.d.Red.: Salmonellen, Bakterien, Parasiten). Wir stellen bei unseren vierbeinigen Patienten häufig Giardien-Infektionen fest, die Durchfall auslösen können“, erklärt uns Tierärztin Eva Callesen, die selbst Hundebesitzerin ist: „hiergegen gibt es keine Immunologisierung. Es hilft nur Hygiene“.

Deshalb sei es so wichtig, dass Hundebesitzer die Haufen nicht überall liegen lassen. Ganz abgesehen davon, dass es ein Gebot selbstverständlicher Rücksichtnahme im Zusammenleben der Menschen sei, öffentliche Wege und Plätze nicht mit Fäkalien zu verunreinigen.

Eva Callesen: „Ich bin selber Hundebesitzerin, und ich ärgere mich, wenn alle zwei Meter ein Hundehaufen liegt. Und das, obwohl doch die Stadt für ausreichend Kotbeutel gesorgt hat. Ich selbst will nicht reintreten. Also ist es für mich auch keine Zumutung, den Haufen weg zu machen".

Und wenn man doch mal in einen Haufen getreten ist, kann sorgfältiges Putzen helfen, rät Tierärztin Callesen, denn: „Einmal an der Schuhsohle, geht der Haufen und das Risiko zu erkranken auch mit uns nach Hause“.

Hundekot liegen lassen ist eine Ordnungswidrigkeit
Wir zahlen doch Hundesteuer an die Stadt, sagen manche unverbesserlichen Hundehalter, die sich nicht um die Hinterlassenschaften ihres Lieblings kümmern, und meinen, damit sei auch die Tretminen-Produktion abgegolten.
Diese Einstellung ist nicht nur rücksichtslos, sondern es liegt auch ein Verstoß gegen die Gefahrenabwehrverordnung der VG Annweiler (i.d.F.v.1.2.2016, §2, Abs.1.8, 2) vor, wie Alexander Engel vom Ordnungsamt erklärt: „Halter und Führer von Hunden müssen dafür sorgen, dass diese öffentliche Anlagen und Gehwege nicht mit Kot verunreinigen. Zur Beseitigung sind sie unverzüglich verpflichtet“. Ein Verstoß dagegen könne mit einem Verwarngeld bestraft werden.

Pflichtbewusste und verantwortungsvolle Hundebesitzer

Immer wieder wird vorgeschlagen, die Hundesteuer zu erhöhen. Das würde aber nicht der Tatsache gerecht, dass die grosse Mehrheit der Hundebesitzer durchaus pflichtbewusst und verantwortungsvoll ist.

Manuel und Melanie Pfeifer aus Annweiler beispielsweise haben sechs Hunde. Melanie bildet sie zu Such- und Spürhunden für Unglücke und Verschüttete aus. Sie sagen: „Auch wir Hundebesitzer ärgern uns regelmäßig über diese Hinterlassenschaften.
Niemand möchte selbst oder dass seine Vierbeiner in so einen achtlos liegen gelassenen Haufen treten. Wir sammeln alle Hinterlassenschaften generell immer auf, selbst im Wald, und entsorgen diese in einem Mülleimer. Denn auch in der Natur möchten wir selbst nicht auf jeden Schritt achten müssen.

Strafen bei Nicht-Entsorgen finden wir gut. Aber mit höherer Hundesteuer trifft man definitiv die Falschen.

Generell finden wir, dass Annweiler sehr gut mit Mülltütenspendern ausgestattet ist, allerdings fehlen überall öffentliche Mülleimer, davon gibt es generell zu wenige“.

Darauf angesprochen, überlegt Bauhofleiter Eckerle: „30.000 Hundetüten liefern wir jedes Quartal an die Tüten-Spender. Rund 80 Müllbehälter haben wir zur Entsorgung installiert, vor allem bei den Problembereichen. Und diese werden von unseren Mitarbeitern auch regelmässig geleert. Noch mehr Entsorgungsbehälter aufstellen, das ist in begrenztem Umfang möglich. Ich zweifle aber, dass dies eine Lösung des Problems mit den Hundehaufen ist. Das eigentliche Problem sind die notorischen Gassigeher, die ihre hunde-produzierten Tretminen nicht in die heute schon vorhandenen Müllbehälter werfen“ . |hi

Tierärztin Eva Callesen: „Giardien-Infektionen stellen in der Hundepopulation unserer Region ein ernstes Problem dar“.
Timmo Eckerle: „Das Problem sind die notorischen Gassigeher, die ihre hunde-produzierten Tretminen nicht in die heute schon vorhandenen Müllbehälter werfen.“
Autor:

Günter Hirschmann aus Annweiler

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