Im Ramberger Bürstenbindermuseum lebt die Geschichte des alten Handwerks wieder auf
Zentrum der Bürstenherstellung

Harald Klein beherrscht noch die alte Kunst des Bürstenbindens.
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  • Harald Klein beherrscht noch die alte Kunst des Bürstenbindens.
  • Foto: Roland Kohls
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Ramberg. Schon seit 1905 gab es Auseinandersetzungen zwischen den Arbeitern und den Bürstenfabrikanten von Ramberg. Vor 110 Jahren, April 1907 beginnt der Streik der Ramberger Bürstenbinder – einer der größten und längsten im süddeutschen Raum.
Ramberg gehört schon immer zu den ärmsten Gemeinden der Pfalz. Der Boden gab nicht viel her. Das ist wohl der Grund, weshalb sich Ramberg im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Standort der Bürsten- und Besenherstellung entwickelt hatte. Daran erinnert das Bürstenmuseum in Ramberg.

Anfangs Handarbeit

„Anfangs war die Bürstenherstellung komplett Handarbeit“, erklärt Harald Klein, Vorsitzender des Ramberger Heimat- und Museumsvereins, der selbst eine der letzten Bürstenfabriken in dem Ort betreibt. Zunächst wurde das Holz grob zugesägt, geschnitzt und die Löcher gebohrt, die die Borsten aufnehmen. Die Bohrer wurden mit dem Fuß angetrieben, zeigt Klein. Dann wurden die Borsten mit einem Draht durch die Löcher gezogen und befestigt. Der Bürstenbinder beherrscht auch die alten Techniken.
Besonders zu Beginn der Fabrikation wurden die meisten Arbeitsschritte in Heimarbeit erledigt. Die Fabrikanten waren Grossisten, die die Rohstoffe zur Verfügung stellten und die fertigen Besen und Bürsten abnahmen. Neben Rosshaar und Schweineborsten kamen in der Regel Pflanzenfasern aus Übersee zum Einsatz: Arenga aus Indonensien und Bahia aus Brasilien oder Fibrefasern aus Mexiko. Diese Rohstoffe werden noch heute verwendet, erklärt Fachmann Klein.
Während im Obergeschoss des Museums die mechanische Bürstenherstellung mit reiner Muskelkraft dargestellt wird, findet man unten die strombetriebenen Maschinen, die ab Ende des 19. Jahrhunderts Einzug in die Fabriken hielten. Mit der Handstanze aus dem Jahr 1907 wird aus dem Draht eine Schlaufe gebildet, in die das Bündel Borsten geschoben und in das vorgebohrte Loch gedrückt wird, so Klein. Bei dem Halbautomaten aus dem Jahr 1920 werden in einem Arbeitsschritt zugleich die Löcher vorgebohrt. Später kamen Vollautomaten die zunächst per Lochband, heute computergesteuert selbsttätig arbeiten, erklärt Klein.

90 Prozent arbeiten in der Bürstenherstellung

In Ramberg arbeiteten zu Hochzeiten 90 Prozent des rund 1 400 Einwohner zählenden Orts in der Bürstenherstellung, einschließlich der Frauen und Kinder. Einige lebten auch vom Verkauf der Bürsten und Besen als Hausierer.
Der Streik war weder für die Arbeiter noch für die Fabrikaten ein Erfolg: Im Mai endete der Streik durch einen Erlass des königlichen Bezirksamtes mit leichten Lohnerhöhungen. Aber wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage wurden viele Arbeiter arbeitslos. rk

Bürstenbindermuseum

Bürstenbindermuseum, Hauptstraße 20, Ramberg.
Öffnung nur nach telefonischer Vereinbarung unter 06345 8220.

Autor:

Dehäm Magazin aus Ludwigshafen

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